David‘s Giessphilosophie

Und wie hast du es so mit dem Giessen? Man könnte es schon als Gretchenfrage der Community bezeichnen. Während die einen klare, wöchentliche Giess-Intervalle bevorzugen, ziehen andere das Einstecken eines Fingers in die oberen Erdschichten vor. Was du beim Giessen beachten sollst und was dein Finger oder eine Waage damit zu tun haben könnte erfährst du in diesem Beitrag.

Was macht Pflanzen so menschlich?

Wenn es ums Trinken geht, sind Pflanzen gar nicht so anders als wir Menschen. Während einige nur spärlich Trinken, können andere problemlos drei liter am Tag schlucken (am besten trinkst auch du noch einen Schluck auf das - prost!). Bei Pflanzen sieht es nämlich ähnlich aus: Wie wir Menschen benötigen Pflanzen auch für ihre kleinste Baueinheit, nämlich der Zelle, genügend Wasser für die Aufrechterhaltung verschiedener Funktionen. Der Bedarf an Wasser verändert sich wie auch bei uns je nach Alter, Jahreszeit und Wachstum. Damit ist eine pauschale Giessmenge deiner Pflanze auf die Dauer kaum zuverlässig um sie mit ihrem Flüssigkeitsbedarf versorgen zu können. Damit du sie nicht unter- oder übergiesst habe ich in diesem Beitrag mal verschiedene Methoden Zusammengefasst, die dir helfen werden, ein Gefühl für den Durst deiner Pflanzen zu bekommen!

 

Das Substrat bestimmt das Tempo!

Die meisten Giessempfehlungen die beim Kauf einer Pflanze mitgegeben werden enthalten nur piktografische Richtwerte die einen grossen Interpretationsraum offen lassen. Deshalb bin ich der Meinung dass diese nur als Orientierungspunkt für den Durst deiner Pflanze aufgefasst werden soll. Dein Augenmerk sollte sich zu Beginn vor allem auf das Substrat der Pflanze gerichtet werden, denn dieses hat eine nicht zu unterschätzende Gewichtung was das Giessen deiner Pflanze betrifft. Ist eine Erdmischung eher durchlässig und grobkörniger, speichert es weniger Wasser und verhindert beosnders bei Übergiesser*innen Staunässe. Enthält dein Substrat mehr Erde oder saugfähigere Komponenten wie beispielsweise Sphagnom Moos speichert es mehr Wasser. Folglich sollst du die Pflanze weniger oft giessen. Diese Gegenüberstellung zeigt auf, dass du auch bei der Erdmischung teilweise Einfluss auf deine Giesshäufigkeit nehmen kannst, sofern das eine Pflanze zulässt. 

Unter- & Über- Topf vs. nur Übertopf.

Neben der Wichtigkeit vom Substrat spielt selbstverständlich auch das Behältnis in der du deine Pflanze haltest eine grosse Rolle. Während die meisten Pflanzenhalter*innen ihre Pflanzen in einen mit Löchern ausgestatteten Untertopf halten (in der Plantcommunity vorzugsweise transparente Töpfe) und diesen anschliessend in einen Übertopf ohne Löcher platzieren, ist es durchaus auch möglich deine Pflanzen direkt in einen loch-losen Übertopf zu pflanzen. 

Unter- & Übertopf.

Der Untertopf mit den Löchern ermöglicht bei jedem Giessgang eine Abflussmöglichkeit des Wassers und verhindert somit die Entstehung von Staunässe. Empfehlenswert ist auch bei dieser Methode nach dem Giessen weitere 5-10 Minuten abzuwarten und das überschüssige Wasser erst dann aus dem Übertopf zu leeren, um auch bei sehr durchlässigen Substratmischungen eine ausreichende Bewässerung zu gewährleisten.

Nur Übertopf.

Eine weitere Variante, in der die Pflanze direkt in einen Übertopf ohne Loch mit einem Substrat bepflanzt wird, eignet sich besonders dann, wenn du keinen passenden Untertopf für deinen Übertopf findest. Und das ist ein bekanntes Dilemma unter all denen, die keine Kompromisse in der Ästhethik ihrer Wohnungseinrichtung und der Pflanzenhaltung eingehen möchten, denn meistens sind es genau die schönsten Übertöpfe, in denen die transparenten Untertöpfe nicht reinpassen wollen.

Blähton für zusätzliche Drainage.

Der gewichtigste Nachteil im direkten Einpflanzen in Übertöpfe ohne Drainage-Loch besteht in der Gefahr des Überwässern, denn im Gegensatz zur ersten Variante, hat das gegossene Wasser keine Möglichkeit mehr, den Topf zu verlassen. Somit musst du bei dieser Methode besonders vorsichtig sein und den Durst deiner Pflanze kennen. Um Staunässe möglichst verhindern zu können, ist es besonders ratsam, eine zusätzliche Drainage-Möglichkeit mittels Blähton in den untersten 2cm gewährleisten zu können, sodass ein kleiner Puffer für Giessfehler entstehen kann (Mehr dazu folgt noch in einem weiteren Beitrag). 

Giess-Sensoren, Finger oder Waage?

Dass das Giessen von Pflanzen schon manch‘ Beziehungen zu Pflanzen zerstört hat, haben auch viele Unternehmen erkannt und passende Sensoren auf den Markt gebracht. Doch diese sind innerhalb der Community nicht bei allen so beliebt und treffen doch auch auf einige Hürden, die sie nur schwer bewältigen können. Diese messen meist eine Feuchtigkeit, die sie mit einem Richtwert gleichsetzen und entsprechend Anzeigen wann eine Pflanze gegossen werden soll. Doch einige Phänomene können die meisten leider noch nicht auffassen wie etwa ungleichmässige Verteilung von Wasser innerhalb des Topfes oder wechselnder Wasserbedarf einer Pflanze während der Umstellung der Jahreszeiten.

Um deine Pflanze dennoch optimal giessen zu können, empfehle ich dir folgende zwei Möglichkeiten in betracht zu ziehen:

1. Finger in die Erde stecken:

Der Klassiker innerhalb der Community und das auch aus guten Gründen:

Stecke deinen Finger ca. 1-3 cm tief in die Erde - ist diese angetrocknet oder trocken, kannst du deine Pflanze giessen. Diese Methode eignet sich für die meisten Aroids die von der Community gefeiert werden. Durch das Antrocknen der obersten Erdschichten wird ein Übergiessen meist verhindert und ermöglicht dennoch einen ausreichenden Giessintervall.

Nachteilig bei dieser Methode ist, dass die oberen Erdschichten nicht immer ausreichend Auskunft geben, was sich im innersten Erdballen und den unteren Schichten so abspielt. Besonders in Räumen mit niedriger Luftfeuchtigkeit besteht eine Tendenz, dass die oberen Schichten vorzeitig Wasser verdunsten lassen und so den Anschein für ein weiteres Giessen geben, ohne dass es für die Pflanze nötig wäre.

Kurz&Knapp

PRO CO
  • Geeignet für die meisten Aroids.
  • Ideal für Anfänger*innen und Fortgeschrittene
  • Geeignet für Pflanzen die in einem Unter-&Übertopf gehalten werden.
  • In warmen & trockenen Räumen kann das Antrocknen der oberen Erdschichten den tatsächlichen Pflanzendurst täuschen.
  • Gibt nur wenig Auskunft über das, was sich im Inneren der Erde abspielt.

 

2. Waage oder auch nur ein kleines „Gspüri“.

Eine weitere Methode, die ich persönlich sogar bevorzuge ist fast mit einem Begriff, nämlich „Gspüri“ beschreibbar. Wenn du mal ein Gespühr für den Durst deiner Pflanzen entwickelt hast, dann wirst du jede Pflanze in jedem Behältnis erfolgreich halten können.

Eine Möglichkeit um dein Gefühl für das Giessen zu verbessern wäre das regelmässige Anheben deiner Pflanzen samt des Topfes in der sie sich befindet - jeweils vor dem Giessen, unmittelbar danach und Tage später erneut. Denn alleine durch das Gewicht des Wassers merkst du, wie viel Wasser sich noch im Topf befindet und wie schnell es die Pflanze aufnehmen kann. Besonders auch im Wechsel der Jahreszeiten sollst du dir den Unterschied gut merken, denn dort wirst du sehen, wie stark sich der Wasserbedarf abhängig des Wetters verändert.

Falls du keinen Unterschied beim An- und Abheben merken kannst, kann natürlich auch eine Waage dieses Phänomen in Zahlen wiedergeben und es dir besonders Sichtbar vor die Augen führen. Anfangs kann man sich ziemlich schwer damit tun - das ist mir sehr wohl bewusst - dennoch bin ich überzeugt davon, dass du es mit der Zeit mit links oder auch mit rechts hinkriegen wirst!

Dein „Gspüri“ wird sich schnell entwickeln und bald wirst du auch selber ohne das Anheben merken, wann deine Babies mal wieder durstig sind, denn auch die Blätter, die Stängel und das Gesamtbild deiner Pflanze zeigt je nach Gattung auch ziemlich rasch ob sie noch einen „Gutsch“ brauchen könnte :-)

Kurz&Knapp:

PRO CO
  • Geeignet für Fortgeschrittene Plantparents (und die, die es gerade werden)
  • Geeignet für Pflanzen die in einem Unter-&Übertopf sowohl auch für solche, die nur in einem Übertopf ohne Drainage gehalten werden.
  • Geeignet für alle Pflanzen
  • Gibt Auskunft über die Absolut enthaltene Wassermenge und kommt so dem Durst der Pflanze näher.
  • Bedingt die Entwickling eines Gespühr für Pflanzen
  • Abhängig von der Wahrnehmung einer Person.
  • Zeitaufwendig 

 

- David von planting with david

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